Hamburger Harmonika
Die Angewöhnte Unwucht
      

Die Klaviertastatur ordnet die 12 Dur- und Moll-Tonarten hierarchisch an:
C-Dur und a-moll spielt man auf den weißen Tasten. Alle anderen Tonarten sind erheblich schwieriger zu spielen. Das Gehör registriert in jeder Tonhöhe den Abstand zum nächsthöheren Ton als sehr ähnlich.
Das Klavier setzt diese Ähnlichkeit sehr holprig um, damit ein C-Dur-Musikstück einfach zu spielen ist.

Klaviertastatur und Notensystem bilden zusammen ein "Tandem":
Schwarze Taste = "Kreuz" . Weiße Taste = "reines" C-Dur.
Im Mittelalter war es ein Fortschritt, der Musik diese Schrift und ein Instrument zu geben, die melodische Klänge erfassen konnten. Weil wir aber nicht immer in C-Dur oder a-moll singen, führt das System zu unnötigen Anstrengungen und Spielfehlern in den anderen Tonarten.
Am Klavier gewöhnt man sich an diese "Unwucht", weil beide Hände die gleiche Klaviatur bedienen.
Aber am Akkordeon spielt die linke Hand ein neues, "aufgeklärtes" Knopfsystem. Deshalb ist die Pianoklaviatur am Akkordeon fehl am Platz und behindert hier den Spielfluß.
Vergleichen Sie bitte die "Flüssigkeit" der Vivaldi-Interpretationen durch Klick auf die Autos oben!

Entscheidend für die meisten Musiker und Zuhörer sind aber nicht solch technische Details, sondern der Klang des Instruments, der ihnen ermöglicht, ihre tiefe Liebe zur Musik zu erleben, sowie die Verständigungs-Funktion, die die Musik als "(Gefühls-)Sprache" hat.
Ein gut bespieltes Klavier ist ein großartiges Erlebnis, aber zum Akkordeon paßt dieses System nicht. 
Dennoch ist das Piano-Akkordeon wegen "traditionsverehrender Trägheit der Masse"*) sehr verbreitet.
Hier werden aber auch andere Saiten aufgezogen, um die Vorteile anderer Akkordeon-Systeme zu zeigen.

*) Uralte und tief verehrte Rituale wie z.B. Klavier-Unterricht und Aufführungspraxis, ebenso wie die tradierte Gesellschafts-Ordnung spielen eine große Rolle bei der trägen Wahrnehmung neuer Tasten-Anordnungen durch die Musik-Institute.
"Trägheit der Masse" bezeichnet in der Physik die Kraft, die nötig ist, um die Richtung einer bewegten Masse zu ändern. In scheiternden, sich träge bewegenden Systemen, stellt Wendigkeit die Hoffnung auf einen besseren Weg dar. Bei Finanzmarkt-Bewertungsmethoden ebenso wie z.B. bei der Schwarm-Intelligenz einer Fußball-Mannschaft.